Es gibt noch Bürger. – InitiativGruppe, Ehrenamt und Integration

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40 Jahre InitiativGruppe – 40 Jahre Ehrenamt

Aus kleinen, spontanen und gänzlich ehrenamtlichen Anfängen ist die große InitiativGruppe von heute gewachsen, mit etwa 100 hauptamtlichen und 150 freiberuflich Beschäftigten in ca. 25 verschiedenen Integrationsprojekten.

1971 hat die IntiativGruppe angefangen als Ehrenamtlichen-Truppe – Hausaufgabenbetreuung und Deutsch-Nachhilfe für die damals noch fast ganz allein gelassenen Gastarbeiter-Kinder. Misstrauisch beäugt von der Öffentlichkeit und von der Politik. Ein Pionier in schwierigem Gelände, ein Öffner von zivilgesellschaftlichem Neuland.

Hier drei von denen, die diesen Anfang organisiert und getragen haben – ehrenamtlich natürlich – und die bis heute der InitiativGruppe aktiv verbunden sind:

Johannes Riedel, Petra Schmid-Urban, Anneliese Müller, Manfred Bosl

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Staatssekretär dankt Ehrenamtlichen der InitiativGruppe

Eine der Säulen der InitiativGruppe sind die zurzeit 239 Ehrenamtlichen. Die Arbeit, die sie praktisch umsonst leisten, entspräche etwa 10 Vollzeitstellen.

Ihnen zu Ehren gab es auch dieses Jahr wieder einen großen Empfang – symbolischer Dank für großes Engagement.

Der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Markus Sackmann, hat es sich nicht nehmen lassen, sich an dem Dank zu beteiligen.

Staatssekretär Markus Sackmann dankt den Ehrenamtlichen der InitiativGruppe

In Bayern engagieren sich zurzeit etwa 3,8 Millionen Bürger ehrenamtlich, ein Drittel der Bevölkerung, und es sind noch einmal so viele, die dazu bereit wären, würde man ihnen eine für sie passendes Angebot machen.

Diese Quelle von gesellschaftlich wertvoller Arbeit und staatstragender Aktivität weiter und noch besser zu nutzen, das sei eine der Aufgaben seines Ministeriums. Sackmann hat darum auch den interministeriellen Runden Tisch Ehrenamt ins Leben gerufen.

Ehrenamtlich wird unersetzliche Arbeit geleistet – die Bereitstellung, Koordinierung sowie die materiellen Nebenkosten müssen finanziell abgesichert werden. Dazu bekennt sich der Staatssekretär im Namen seiner Regierung ausdrücklich.

(Ehrenamtliche setzen gratis und freiwillig Zeit und Arbeitsenergie ein – Organisation und Verwaltung, Kosten für Räume, Materialien etc. erfordern öffentliche Mittel und Spendengelder.)

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Neunmal Ehrenamt in der InitiativGruppe

1. Herr Fröhlich, Chemiker, arbeitet in der Sendlinger Hausaufgaben-Betreuungsgruppe, als einer von 15 ehrenamtlichen Betreuern, die – je nach Wunsch und Möglichkeit – einmal, zweimal oder dreimal die Woche zwischen 14 und 16 Uhr acht bis 15jährigen Schulkindern beistehen. Die Räume dazu werden von der evangelischen Himmelfahrtskirche gegen eine geringe Miete zur Verfügung gestellt.

(Es sind meistens Frauen, die in dieser Arbeit tätig sind. Männer dringend gesucht!)

2. Frau Krombholz macht Einzelbetreuung. Die InitiativGruppe hat ihr einen türkischen Jungen vermittelt, und sie hat es geschafft, trotz aller Hürden und Schwierigkeiten den Schüler in die Realschule zu hieven, wo er jetzt plötzlich sein Talent entfalten kann. Außerdem betreut sie noch vier Mädchen bei sich zu Hause, damit sie den Hauptschulabschluss schaffen.

drei der Ehrenamtlichen

3. Frau Wagner betreut einen türkischen Schüler bei sich zu Hause. Da die Eltern beide hart arbeiten, begleitet sie den Jungen oft auch am Wochenende. Es sei wunderbar, wie viel man da zurück bekomme, sagt sie. Sie hat ein überaus herzliches Verhältnis zu der türkischen Familie aufgebaut.

4. Frau Phlebs, Erzieherin, gibt ehrenamtlich Deutschunterricht für Frauen im Frauenprojekt der InitiativGruppe. Ihre Klasse hat 20 Teilnehmerinnen, der Unterricht 3 mal 4 Stunden pro Woche.

5. Frau Hedtkamp schenkt der InitiativGruppe (Projekt Jugendmigrationsdienst)  Beratungs- und Betreuungshilfen für Jugendliche und junge Leute, die entweder noch in der Berufsfindungsphase sind oder konkret einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle suchen. 

Ehrenamtliche … dazu (unten links) Johannes Riedel und Ulrike Albrecht

6. Corinna Müller organisiert für die InitiativGruppe im Rahmen des Arbeitskreises Kultur Kulturveranstaltungen – und aquiriert auch noch das dazu nötige Geld. Am Samstag, den 28. Mai zum Beispiel die Lange Nacht der Musik (20 – 1 h) im Saal der InitiativGruppe mit einem hochkarätigen chinesischen Musikprogramm.

7. “Gülen Abla” ist eine Frau, die vor 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist. Sie organisiert für das Frauenprojekt der InitiativGruppe u. a. das Theaterspiel. Die Frauengruppe in der IG ist für viele Frauen eine Art Heimat geworden.

8. Frau Kobbé gibt für das IG-Projekt Frauen in Beruf und Schule Einzelbetreuung. Zurzeit bringt sie einer Frau Business-English nahe, zwei Unterrichtsstunden pro Woche.

9. Frau Wolf bringt Migranteneltern an die Schulen und in die Schulen. Der Schulerfolg der Kinder hängt zur Hälfte vom Engagement und Verständnis der Eltern ab … Frau Wolf hat zum Beispiel interkulturelles Lesefest in 7 Sprachen für die Eltern von Schülern organisiert, das ein Riesenerfolg geworden ist und jetzt durch ein Erzählcafé fortgesetzt werden soll.

Darf ich mich selbst auch erwähnen? – Ich hab mich schon in den 70er und 90er Jahren an der Hausaufgabenbetreuung in Sendling beteiligt. Jetzt mache ich das Blog hier: an die 60 Stunden Arbeit pro Woche, alles eingerechnet, auch die Zeit für das MiGAZIN. Wenn ich mal für meine hochqualifizierte Tätigkeit 100 Euro brutto pro Stunde rechne, beliefe sich das Honorar im Monat auf fast 25000 Euro brutto  … Ich mach es aber so gern, dass ich (wenn ich Millionär wär) der IG auch 100 Euro brutto pro Stunde dafür zahlen würde , um es machen zu dürfen. Also sind wir quitt.

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Vom Ehrenamt in die Politik

Anne Hirschmann

Anne Hirschmann war von Anfang an dabei. Sie hat – damals, in den frühen 70er Jahren, Elternbeiratsvorsitzende -  zu ihren drei eigenen Kindern noch sechs zur Hausaufgabenbetreuung hinzu genommen und ist über diese Tätigkeit in die Politik hineingewachsen – Stadträtin und Landtagsabgeordnete geworden.

München hat einen der höchsten Ausländeranteile unter den deutschen Großstädten – und die wenigsten Probleme damit, bemerkte ihr Kollege Johannes Riedel. Anne Hirschmann hat durch ihre politische Tätigkeit mit dazu beigetragen.

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Ehrenamtliche Arbeit in der InitiativGruppe – in Bedrängnis

Das Sozialministerium – Arbeitsstätte von Staatssekretär Markus Sackmann – hat eigentlich vor, der InitiativGruppe das Geld für die ehrenamtliche Arbeit zu kürzen.

Diese Arbeit wird koordiniert von zwei hauptamtlich Beschäftigten (Hildegard Jacobs und Brigitte Hutterer); außerdem zahlt man eine Aufwandsentschädigung an die Ehrenamtlichen von 125 Euro im Jahr (ab 50 Std; ab 100 Std. sind es 250 Euro). Hinzu kommen Büro-, Verwaltungs- und Materialkosten oder Auwändungen wie mal einen Ausflug in den Zoo. Das Bayerische Sozialministerium zahlt der IG dafür bisher ca. 100 000 Euro, die Stadt München steuert 25 000 Euro bei.

Das Ministerium möchte seinen Anteil in diesem Jahr um 15 Prozent kürzen und ab dem nächsten Jahr ganz aufhören. Hintergrund ist, dass man dafür andere niederschwellige und präventive Maßnahmen fördern möchte.

Manfred Bosl, Markus Sackmann, Anne Hirschmann

Wie man sieht, sind IG-Geschäftsführer Manfred Bosl und die frühere Landtagsabgeordnete Anne Hirschmann darüber mit Staatsekretär Sackmann im konstruktiven Gespräch …

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Ehrenamtliche Mitarbeiter/innen sind immer herzlich willkommen!

Zurück zu den Anfängen! -

Über die heroischen Anfänge der InitiativGruppe werden wir gegen Ende des Jahres berichten. Wir wühlen grade in den uralten Aktenordnern und machen interessante Funde …

Kommentare

  1. Gastarbeiter meint:

    Herzlichen Glückwunsch, Initiativgruppe, und Danke Leo für das außerordentliche Engagement.

    Jetzt, wo man die Unterstützung der Integrationsprojekte am dringendsten braucht, wird das Geld woanders investiert. Shade!

  2. almabu meint:

    Respekt und Anerkennung für diesen aussergewöhnlichen gesellschaftlichen Beitrag!
    Man sollte euch nicht den Etat kürzen sondern erhöhen! Es gibt wohl nur wenig Möglichkeiten Geld sinnvoller in präventive Arbeit zu investieren. Ihr habt alle einen Orden verdient! Ob Bayrischer Verdienstorden oder Bundesverdienstkreuz, der Vorschlag dazu muss aus Bayern kommen…

  3. Von mir auch noch mal : Herzlichen Glückwunsch! Tebrikler! Ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern an.

  4. Klaro meint:

    Auch ich schließe mich den Glückwünschen für 40 Jahre wertvolle Arbeit im Dienst unserer Gesellschaft an!

  5. Kaiserliche Majestät meint:

    Herzlichen Glückwunsch.

    Die Menschen der Initiativgruppe gehören zu den wenigen , die bereits vor 40 Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt haben, im Gegensatz zum Sozialministerium.

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