Bart Somers: Zusammen leben (2): Selbstbild und Inklusion

multikultur(Fortsetzung zu Bart Somers Buch “Zusammen leben“)

Oberstes Prinzip: Inklusion.

Belgien, so Somers, schneidet in dieser Hinsicht im europäischen Vergleich besonders schlecht ab.

Nicht (mehr) so jedoch Mechelen.

Das beginnt beim Selbstbild der Stadt.

“Wir, das ist schon lange keine ‘weiße’, monokulturelle Gesellschaft mehr. Flandern ist farbig.”

Und geht weiter damit, dass man sich den Problemen stellt – sie nicht unter den Tisch kehrt.

“Diese Verschiedenartigkeit ist nicht nur angenehm, sondern sorgt ebenso oft für Missverständnisse, Irritationen, Unannehmlichkeiten und Ärger. Wer so tut, als sei das Zusammenleben in der Diversität das reinste Vergnügen, war nie ein Teil davon: Sie ist unsere Herausforderung, so wie jede Generation vor Herausforderungen steht. Aber mehr noch ist sie eine Realität, die man nicht wegzaubert. Man muss daran arbeiten.”

Wir alle müssen uns heute in eine super-divers gewordene Welt integrieren. Gemeinsam.

Das geht nicht, wenn wir – die “Weißen” ebenso wie die Einwanderer – uns identitär einigeln; wenn wir unsere Rechte und unsere Regeln zu behaupten versuchen im Blick auf unsere Vorväter und Traditionen, ohne Rücksicht auf die Notwendigkeiten des kooperativen Zusammenlebens hier und heute.

Es gibt kein Zurück.

Alle Forderungen, die wir an die anderen richten, richten wir auch an uns selbst.

Liberalismus, so sagt Somers, der Liberale, sei selbst keine Lebensweise, sondern bestehe im Tolerieren von verschiedenen Lebensweisen.

Das identitäre Denken, das Gruppendenken hingegen polarisiere und spalte. Desintegriere.

Bart Somers wendet sich hier auch gegen das linke Gruppendenken.

Erstens geht es in die Falle der Auffälligkeit. Geschlossene Gruppen repräsentieren nur den anderen auffallende Minderheiten, nicht die Mehrheit derer, die man voreilig dazuzählen möchte.

Zweitens: Es

bietet Menschen außerdem zuhauf Entschuldigungen des eigenen Versagens.

Es enthebt von der eigenen Verantwortung, denn in einer rassistischen Gesellschaft bekommt man kein schlechtes Zeugnis, weil man nicht genügend gelernt hat, sondern weil der Lehrer Vorurteile hat.

Der andere trägt die Schuld an allem, was schiefläuft.

Denen, die trotzdem etwas aus sich machen wollen, nimmt es die Hoffnung, und es fördert den Fatalismus.

Kann und darf man denn den Vorfahren nicht entkommen? – fragt Somers.

Das rechte wie das linke Gruppendenken sei ein Anschlag auf die Freiheit der Menschen, sich ihre Identität selbst zu basteln und sie selbst zu definieren.

Somers zieht die politische Konsequenz:

“Daher kann ich mich nicht für eine Emanzipationsstrategie erwärmen, die auf Selbstorganisation setzt.”

Die setzt auf die Dominanz der Unterscheidung, konzentriert die Energie auf die Distanzierung, auf das WIR gegen SIE. Man definiert sich GEGEN die anderen.

Inklusiv ist hingegen eine Identität, die keine Mauer um sich hochzieht; die offen ist, so dass auch andere Menschen hineinpassen – “Fremde”.

Auch unsere Identität müsste “bunt” werden, “farbig” …

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